Veronica Klingemann
Praxis für Gestalttherapie
und Supervision


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Depression


Als die Welt zerbrach


Gedanken über einen, der mit der Wende den Glauben verlor



Er wuchs auf in einer Welt voller Klarheit. Hier war gut, dort war böse, hier war Gott, dort Sozialismus, hier war die Familie, dort der Staat. Die Welt war weiß und schwarz alles dazwischen nicht wesentlich. Er lernte mit Feinden zu leben, an den Pranger gestellt zu werden, er wußte und er spürte, was es heißt ein Weißer unter Schwarzen, ein Gelber unter Grünen, ein Fremder unter Gleichen zu sein. Er lernte, daß Zweifel nicht in Feindesohr gelangen dürfen, daß man standhalten muß.

Er fand keinen Raum für Zweifel, Einsamkeit, Ohnmacht und Angst.

Er wurde größer, war neugierig und sah mehr. Er sah eine Welt voller Farben, voller Schattierungen, lebenswert, beängstigend, verwirrend und faszinierend. Wohin damit? Die Welt war anders, voller Klarheit, schwarz und weiß, böse und gut... Die Zweifel kamen, Gott und das Richtige ließen sie nicht verschwinden, aber verstummen

Und dann zerbrach sie diese Welt und damit alles, was die wachsenden Zweifel in Zaum gehalten hatte. Nun gab es kein Halten mehr: die Welt war verwirrend, gefährlich, verlockend, schön, widersprüchlich unerträglich und nicht klar, die Zukunft ungewiß... Er suchte nach Klarheit, nach Wahrheit, nach sich.

Das Alte, das ging nicht mehr,... was dann...

Wohin mit seiner Liebe, seiner Leidenschaft, seiner Angst, seiner Verzweiflung, seiner Einsamkeit, seinem Wunsch nach Liebe, Aufrichtigkeit und Wahrheit?

Er tat was er immer getan hatte, standhalten, er hielt stand, ganz alleine. Er hielt stand der Wut, der Verzweiflung, den Menschen, dem Leben und dem Wunsch zu sterben, dem Wunsch zu lieben und so hielt er stand, bis er sich nicht mehr bewegen konnte, bis er einfach sitzen blieb, erstarrte, verstummte....

Diagnose: Depression


Veronica Klingemann